Sagen aus der Rhön

Sagen sind Geschichten, die sich vor langer, langer Zeit zugetragen haben sollen. Weil die meisten Menschen bis noch vor einhundert Jahren kaum Lesen und Schreiben konnten, wurden diese Geschichten erzählt. Und sie wurden erzählt von den Eltern an die Kinder und das von Generation zu Generation. Manches in der Erzählung wurde weggelassen und anderes hinzugefügt. So veränderten sich die Sagen im Laufe der Zeit.

Die Rhön hat an die 1.000 Sagen, die von Ludwig Wucke, Ludwig Bechstein aber später auch von Max Mölter und Gottfried Rehm aufgeschrieben worden sind.

Für den Rhönclub hat Frau Regina Rinke, ehemalige Präsidentin des Rhönklubs, im April 2008 für euch und eure Familien ein Buch verfasst, in dem Wandertouren rund um diese Sagen enthalten sind.

 

Weitere Informationen:

Informationszentrum  "Haus der Schwarzen Berge"
Rhönstr. 97
97772 Wildflecken/Oberbach
Telefon  09749/91 22 0

oder

Frau Regina Rinke
Telefon (0 97 45) 31 65

Bild: Lothar Reichardt 2007 aus "Sagenhafte Rhön - 11 Sagen zum Erwandern"

Die Sage von der Teufelsmühle

Ein Müller hatte sein Weib und seine Kinder beim Brand seiner Mühle verloren. Er zog hinaus in die Welt und gelangte in die Rhön. Erschöpft ließ er sich auf einem Stein nieder. "Ach, wenn ich hier Wasser hätte, würde ich mir wieder eine Mühle bauen", sagte er vor sich hin, "und wenn mir der Teufel dabei helfen sollte!"
Der Teufel war schnell zu Stelle und sprach zu ihm: "Versprichst du mir die Seele desjenigen, der hier zuerst auf diesem Stein sich ausruhen wird, dann soll dein Wunsch in Erfüllung gehen."

Rasch schlug der Müller ein, aber nur unter der Bedingung, dass der Teufel ihm auch Frau und Kinder wieder herbeischaffen müsse. Dafür verlangte der Teufel jedoch auch die Seele der zweiten Person, die sich auf dem Stein niederlassen würde. Und tatsächlich - am nächsten Morgen sprudelte ein Bach den Berg hinab und eine Mühle stand nahe am Wasser. Frau und Kinder waren ebenfalls wieder da!

Als der Teufel nun eines Tages in die Mühle trat, um den Müller an sein Versprechen zu erinnern, lachte ihn der Müller aus. "Du hast dich selbst betrogen, denn der Stein liegt mitten im Mühlteich und keine Menschenseele kann sich darauf ausruhen!"

Die Mühle ist längst verfallen, aber das Wasser stürzt immer noch den Berg hinab!

Der Wanderweg beginnt auf dem Wanderparkplatz am Rothsee in der Nähe von Bischofsheim. Schon dieser kleine Waldsee lohnt einen Besuch. Von hier aus führt euch eine weiße 3 auf blauem Grund den etwa 1 km Wanderweg entlang.

Bild: Lothar Reichardt 2007 aus "Sagenhafte Rhön - 11 Sagen zum Erwandern"

Wie die Ebersburg zu ihrem Namen kam

Vor langer, langer Zeit soll hier auf dem Berg schon eine Fliehburg gestanden haben. Als vor mehr als 1.000 Jahren eine große Zahl von Feinden den Berg hinan rückte, um die Burg zu erobern, verteidigten die Bewohner ihre Burg mit allen Mitteln. Sie kämpften bis zum Umfallen. Bald aber verloren sie jedoch den Mut. Viele Burgbewohner hatten schon den Tod gefunden. Da entsann der Burgherr eine List.

Täglich ließ er sein einziges Schwein, einen klapperdürren Eber, fesseln, als sollte er zur Schlachtbank geführt werden. Bei der Prozedur stieß das Tier ein mörderisches Gequietsche aus, dass es weithin zu hören war.

Da dachten sich die Feinde: "Wenn die in der Burg täglich ein fettes Schwein schlachten können, dann haben sie noch Vorräte für lange Zeit. Wir geben die Belagerung auf." Sie zogen also ab und suchten das Weite. Die Burg war somit durch den alten Eber gerettet.

Seit dem heißt die Burg  "Ebersburg". Diese Wanderwege führen in drei verschiedenen Routen zur Ebersburg. Die Länge der Wege liegt zwischen 2,5 und 3,5 km. Ausgangspunkte sind entweder in Altenfeld, Poppenhausen an der Wasserkuppe oder Röderhaid (westlich von Poppenhausen).

Bild: Lothar Reichardt 2007 aus "Sagenhafte Rhön - 11 Sagen zum Erwandern"

Die Sage von den Drei Stolzen

Einst stand eine prächtige Burg, in der 3 Edelfräulein herrschten. Sie waren von wunderbarer Schönheit, so dass sich ihr Ruf weitverbreitete und alle jungen Edlen um sie warben.

Doch die drei stolzen Frauen führten alle Bewerber an der Nase herum. Eines Tages, nach einem großen Fest, klopfte ein halbverhungerter Greis an ihre Tür und bat um Speise und Trank und um ein bescheidenes Ruheplätzchen.

Als den drei reichen und stolzen Fräuleins der Bettler gemeldet wurde, hetzten sie unter Hohn und Spott ihre Hunde auf ihn. Da erhob der Alte seinen Bettelstab und die Hunde fielen leblos zu Boden. Gegen die drei stolzen Burgfräulein aber stieß er einen schrecklichen Fluch aus. Und plötzlich sank das ganze Schlossgebäude mit allen Insassen tief ins Innere des Berges.

An seine Stelle erhob sich ein kleiner See, auf dessen Grund das Schloss heute noch zu sehen sein soll. Von den drei Stolzen hat der Berg seinen Namen erhalten: Dreistelz.

Den kleinen See findet ihr rechts unterhalb des Wanderweges, der auf dem Wanderparkplatz vor dem Ort Dreistelz beginnt. Vom Parkplatz bis zum Gipfel sind es 2 Kilometer.

Bild: Lothar Reichert für das Wanderheft "Sagenhafte Rhön"

Die Sage von der Hexenlinde

Eine Sage berichtet von einem Musikanten, der in der Walpurgisnacht von Dermbach nach Tann gehen wollte. Bei Andenhausen aber verirrte er sich. Da trat ein feiner Jäger zu ihm und erbot sich, ihn zur Linde auf der Klingser Hut zu führen, von dort könnte er sich dann leicht zurechtfinden. Dankbar nahm der Musikant an. Bei der Breiten Linde gewahrte er erstaunt eine lustige Gesellschaft. Einer reichte demMusikanten eine prächtige Klarinette und versicherte, die dürfe er behalten, wenn er ihnen zum Tanz aufspiele. Dazu bekäme er noch eine Handvoll Taler.

Da lies der Musikant sich nicht zweimal bitten. So ging es einige Stunden lustig zu. Mit einer Tasche voll Geld und der schönen Klarinette kam der Musikant morgend müde zu Hause an und legte sich sofort schlafen.

Als er erwachte schaute er als erstes nach der neuen Klarinette. Doch diese hatte sich in einen schmutzigen Knochen verwandelt und aus den Silbermünzen waren wertlose Scherben geworden. Da war ihm klar, dass er den Hexen zum Tanz aufgespielt hatte.

Seitdem heißt diese alte Lind die Hexenlinde.

Los geht eure Wanderung in der Ortsmitte von Klings am Backhaus. Ihr solltet den runden grünen Schildern mit der "1" drauf folgen. Länge des Rundweges beträgt 8 km.

Bild: Lothar Reichert aus dem Wanderheft "Sagenhafte Rhön"

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